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Warum ein Mietwagen in Island kein Luxus, sondern Pflicht ist

Der Vermieter in Keflavík schob mir ein Tablet hin und zeigte auf eine Spalte mit Extras. CDW. SAAP. GP. Sturmschutz. Jedes mit einem Tagespreis und einem leeren Kästchen. Ich hatte mich gut vorbereitet und wusste, was jedes Kürzel bedeutete — trotzdem stockte ich kurz bei der Zeile „Sand- und Ascheschutz", weil ich einen solchen Passus auf einem Mietwagenformular noch nie gesehen hatte. Island ist eben nicht Portugal.

Hier ist, was dir niemand klar sagt, bevor du landest: Ein Mietwagen in Island ist teuer, die Spielregeln unterscheiden sich von jedem anderen Land in Europa, und ein einziger falscher Entscheid — der falsche Wagen für eine F-Straße, die falsche Karte an einer abgelegenen Zapfsäule, der falsche Abkürzungsversuch durch ein schwarzes Sanddünenfeld — kann aus einer Traumreise auf dem Ring Road eine unversicherte Reparaturrechnung machen. Die gute Nachricht: Das alles lässt sich vermeiden, wenn man drei oder vier Dinge wirklich verinnerlicht hat.

Ein kleiner 2WD kostet im Sommer rund 60 bis 100 Euro pro Tag — vor Versicherung. Ja, Island ist teuer. Ja, es lohnt sich trotzdem jeden Cent. Wer diese Seite überspringt, lernt unter Umständen auf die harte Tour, warum falsche Versicherungsentscheidungen teurer sind als das täglichste Mietauto auf der Insel.

Deinen Mietwagen in Island finden

Was ein Mietwagen in Island wirklich kostet

Ich werde es nicht schönreden: Island ist einer der teuersten Mietwagenmärkte in Europa. Das Zusammenspiel aus hohen Importkosten, extremer Witterungsbelastung der Fahrzeuge und starker Nachfrage in einem vergleichsweise kleinen Markt bedeutet, dass du deutlich mehr zahlst als für ein ähnliches Auto in Südeuropa.

FahrzeugtypNebensaison (Okt–Apr)Übergangszeit (Mai, Sep)Hochsaison (Jun–Aug)
2WD Kleinwagen (z. B. Toyota Yaris)40–65 €/Tag55–80 €/Tag60–100 €/Tag
2WD Kompakt-SUV55–85 €/Tag70–110 €/Tag90–140 €/Tag
4WD mittelgroß (z. B. Dacia Duster)70–110 €/Tag90–140 €/Tag100–160 €/Tag
4WD groß/Expeditionsfahrzeug (z. B. Hilux)110–160 €/Tag140–200 €/Tag160–240 €/Tag

Versicherung dazurechnen — dazu gleich mehr — und die echten Tageskosten liegen typischerweise 30 bis 50 Prozent über dem Nennpreis. Vier bis sechs Wochen vor Abreise buchen; die günstigsten 2WD-Wagen verschwinden zuerst, und die Preise springen, sobald die Verfügbarkeit abnimmt.

2WD oder 4WD — was du wirklich brauchst

Diese Frage stellen sich fast alle Island-Erstbesucher, und die Antwort ist simpler, als Foren einen glauben machen.

Für den Ring Road brauchst du keinen 4WD. Die Route 1, die asphaltierte 1.332-km-Schleife rund um die Insel, ist im Sommer mit einem normalen Zweiradantrieb befahrbar. Mit einem 2WD erreichst du Jökulsárlón, Skógafoss, Geysir, Þingvellir, die Halbinsel Snæfellsnes und alle anderen Highlights, die direkt an der Hauptstraße oder in kurzer Reichweite davon liegen.

Sobald du F-Straßen fahren willst, brauchst du 4WD. Islands F-Straßen sind die rauen Schotterpisten ins Hochlandinnere — Landmannalaugar, Þórsmörk, die Kjölur-Route. Sie sind auf Karten mit einem F markiert, gesperrt bis die isländische Straßenverwaltung die Öffnung freigibt (meist frühestens Ende Juni) und in jedem 2WD-Mietvertrag ausdrücklich verboten. Wer mit einem 2WD auf eine F-Straße fährt, verliert nicht nur die Fahrzeugkontrolle; er verliert den kompletten Versicherungsschutz, haftet also persönlich für Bergen und Reparaturen, die schnell in den fünfstelligen Bereich gehen können.

Wer F-Straßen auf dem Plan hat, mietet einen echten 4WD. Wer es nicht tut — und der Ring Road allein füllt locker zehn Tage —, spart mit einem 2WD täglich viel Geld.

Vorteile
  • Der Ring Road ist vollständig asphaltiert und mit dem 2WD ein Erlebnis
  • 4WD öffnet die Hochland-F-Straßen mit Islands wildesten Landschaften
  • Winterreifen gesetzlich inklusive — kein Aufpreis
  • Abholung an KEF und du bist innerhalb einer Stunde auf der Straße
Nachteile
  • Tagespreise zählen zu den höchsten in Europa
  • Islandspezifische Extras (SAAP, GP, Sturmschutz) erhöhen den Grundpreis spürbar
  • Abgelegene Tankstellen brauchen eine PIN-Karte — Unterschriftskarten funktionieren nicht
  • F-Straßen können kurzfristig gesperrt werden, und ein 2WD auf einer F-Straße macht die Versicherung ungültig

Die Versicherung, die du in Island wirklich brauchst

Hier unterscheidet sich Island von jedem anderen Mietwagenmarkt in Europa — und hier kostet das falsche Kästchen am Schalter Reisenden ernsthaft Geld.

CDW (Collision Damage Waiver) ist die Basis: deckt Kollisionsschäden bis zur vereinbarten Selbstbeteiligung und ist fast überall inklusive oder als Option verfügbar. Ohne CDW trägst du jeden Schaden selbst. Aber in Island reicht CDW allein nicht.

SAAP — Sand- und Ascheschutz. Island hat aktive Vulkane. Selbst an ruhigen Tagen erzeugen die Schwarzsandwüsten nahe der Südküste und die Pässe rund um Mýrdalssandur windgetragene Partikel, die wie Schmirgelpapier auf Karosserieblechen wirken. SAAP deckt genau diese Schäden ab. Ohne ihn kann eine einzige sandige Strecke eine komplette Neulackierung kosten. Ein Blick in die Standard-CDW-Bedingungen genügt: Sandschäden sind ausdrücklich ausgeschlossen. Kostet etwa 10 bis 18 Euro pro Tag je nach Anbieter.

GP — Kiesschutz. Viele isländische Straßen, auch außerhalb der F-Straßen, haben Schotteroberflächen oder Übergänge von Asphalt auf Kies. Steine von Gegenverkehr knacken Windschutzscheiben und zerkratzen Karosserien. GP deckt das ab. Die meisten CDW-Bedingungen schließen Kiesschäden explizit aus. Etwa 8 bis 15 Euro pro Tag.

Sturmschutz. Islands Wetter wechselt schnell, und die Böen auf exponierten Halbinseln können eine Autotür buchstäblich aus den Angeln reißen — kein Bild, das passiert. Sturmschutz sichert Türen, Bleche und Dach bei Sturmbedingungen ab. Nicht überall zwingend, aber klug bei geplanten Fahrten auf der Reykjanes-Halbinsel, Snæfellsnes oder an der Nordküste.

Die ehrliche Gesamtrechnung: CDW + SAAP + GP bringen rund 25 bis 40 Euro täglich on top. Ärgerlich, aber deutlich weniger als die Alternative. Am günstigsten ist der Kauf über die Buchungsplattform vor Reiseantritt — am Schalter ist es fast immer teurer.

Abholung am Flughafen Keflavík (KEF)

Fast jeder Islandbesucher holt seinen Mietwagen am Flughafen Keflavík (KEF) ab, etwa 50 km südwestlich von Reykjavík. Das ist richtig so. KEF hat Schalter aller großen Anbieter, die größte Auswahl auf der Insel und die günstigsten Preise. Eine Abholung in der Stadt setzt einen Transfer voraus und kostet für dasselbe Auto meistens etwas mehr.

Ein paar Dinge, die man vor dem Schalter wissen sollte:

  • Vorher buchen, nicht am Schalter. Walk-up-Tarife an KEF im Sommer sind deutlich teurer als vorab gebuchte Preise.
  • Öffnungszeiten der Abholung bestätigen, besonders bei Spätflügen — manche kleineren Anbieter haben eingeschränkte Nachtzeiten.
  • Das Auto bei Tageslicht gründlich prüfen. Wenn du nachts um Mitternacht ankommst, nutze die Handy-Taschenlampe und fotografiere jeden Kotflügel, bevor du das Gelände verlässt. Chips und Kratzer sind auf isländischen Mietflotten häufig.
  • Mietvertrag griffbereit aufbewahren — Islands Polizei prüft gelegentlich Unterlagen, du solltest den Vertrag neben dem Führerschein vorzeigen können.
  • Internationaler Führerschein: EU-Führerscheine reichen aus. Für Nicht-EU-Lizenzen ist neben dem nationalen Führerschein möglicherweise ein IDP erforderlich.

Tanken: das PIN-Karten-Problem, das die meisten nicht kommen sehen

Islands Treibstoffsituation erwischt mehr Reisende als fast alles andere. Außerhalb von Reykjavík und den größeren Orten sind viele Tankstellen vollständig unbemannt — eine Zapfsäule, ein Kartenlesegerät und kilometerweit nichts drumherum. Diese Geräte brauchen eine Karte mit PIN. Kontaktloses Bezahlen, eine reine Unterschriftskarte oder eine American-Express-Karte ohne PIN funktionieren hier nicht.

Falls deine Kredit- oder Debitkarte keine vierstellige PIN hat, kläre das vor der Reise. Ruf deine Bank an, richte eine PIN ein und bestätige, dass sie funktioniert. Die Alternative ist ein halbvolles Fahrzeug zwischen Vík und Kirkjubæjarklaustur auf der Südküste, ohne Personal anzurufen, und eine Karte, die das Gerät ablehnt. Diese Strecke ist wunderschön und nahezu menschenleer.

Tanke immer, sobald du eine Station mit angemessenem Preis siehst, auch wenn du noch einen halben Tank hast. Das ist nicht übertrieben vorsichtig — das ist die praktische Realität abgelegenerer Ring-Road-Abschnitte.

Treibstoff in Island liegt bei rund 270 bis 310 ISK pro Liter, etwa 1,80 bis 2,10 Euro. Das volle Tanken eines Kleinwagens kostet rund 60 bis 80 Euro. Den Hochlandabschnitt zwischen Höfn und Egilsstaðir — knapp 260 km mit wenig Infrastruktur — immer mit vollem Tank beginnen.

Einspurige Brücken und road.is: zwei Dinge, die jeden überraschen

Einspurige Brücken. Der Ring Road hat Dutzende davon, oft über Gletscherflüsse. Die Regel ist einfach: Wer zuerst an der Brücke ist, hat Vorfahrt. In der Praxis sind isländische Fahrer entspannt und lassen großzügig durch. Einfach langsam werden, einschätzen, nicht drängeln. Die Brücken sind meist kurz.

road.is. Die isländische Straßen- und Küstenbehörde aktualisiert diese Website laufend mit offenen und gesperrten Strecken, Glatteis, Überflutungen, vulkanischer Aktivität und Windwarnungen nach Region. F-Straßen-Öffnungsdaten werden hier bekannt gegeben. Jeden Morgen vor dem Losfahren aufrufen: road.is .

Islands Wetter kann eine Strecke sperren, die eine Stunde vorher noch frei war. Die App-Version schickt Warnmeldungen. Beide nutzen.

Der Ring Road: Planung und Zeitrahmen

Der Ring Road ist 1.332 km lang. Theoretisch in zwei Tagen fahrbar. In der Praxis sieht man dann kaum etwas und erschöpft sich vollständig. Die meisten Besucher nehmen sich acht bis zwölf Tage, was genug Zeit lässt, um die großen Sehenswürdigkeiten anzuhalten, ohne zu hetzen.

Ein sinnvoller grober Reiseplan ab KEF:

  • Tage 1–2: Reykjavík und der Goldene Kreis (Geysir, Gullfoss, Þingvellir)
  • Tage 3–4: Südküste — Seljalandsfoss, Skógafoss, Vík, Schwarzer-Sand-Strand Reynisfjara
  • Tage 5–6: Gletscherlagune Jökulsárlón, Diamond Beach, die Ostfjorde
  • Tage 7–8: Nordisland — Mývatn, Goðafoss, Akureyri
  • Tage 9–10: Halbinsel Snæfellsnes, dann zurück nach KEF

Das ist der Ring Road ohne F-Straßen, und er ist für sich allein schon eine außergewöhnliche Reise. Die Tagesetappen liegen meist zwischen 150 und 300 km, aber die Landschaft verlangt nach häufigen Stopps.

Frühzeitig buchen, Versicherung klären, Straßen checken

Als ich den Wagen nach zwölf Tagen am KEF zurückgab, hatte ich einen vollen Tank, eine winzige neue Steinschlagkerbe an der Windschutzscheibe (durch GP abgedeckt) und keinen Stress am Rückgabeschalter. Die Vorbereitung vor dem Abflug — die richtige Fahrzeugklasse, die passenden Zusatzversicherungen, die PIN auf der Karte, road.is jeden Morgen — machte den Unterschied zwischen einer reibungslosen Reise und einer schmerzhaften.

Anbieter vergleichen, genau lesen was jede Police tatsächlich abdeckt, und die Buchung sichern, bevor das Sommerangebot schmilzt. Dann die Tickets mit unserem Flugguide nach Reykjavík zusammenstellen und im Mietwagen-Bereich weitere Reiseziele entdecken.

Häufige Fragen

Was kostet ein Mietwagen in Island 2026?

Ein kleiner 2WD-Wagen kostet in der Nebensaison rund 60 bis 100 Euro pro Tag und im Sommer bis zu 160 Euro pro Tag. Ein 4WD oder SUV liegt bei 100 bis 200 Euro pro Tag. Island ist einer der teuersten Mietwagenmärkte Europas, deshalb lohnt es sich, vier bis sechs Wochen im Voraus zu buchen und mehrere Anbieter zu vergleichen.

Brauche ich in Island einen 4WD?

Für den Ring Road und asphaltierte Hauptstrecken reicht ein 2WD völlig aus. Wer aber F-Straßen fahren will, die unbefestigten Hochlandpisten, benötigt gesetzlich vorgeschriebenen Allradantrieb. Ein 2WD auf einer F-Straße macht den Versicherungsschutz komplett hinfällig, und manche F-Straßen führen durch Furtdurchfahrten, die selbst für 4WD-Erfahrung erfordern.

Welche Versicherung brauche ich für einen Mietwagen in Island?

Die Basis-CDW ist fast immer inklusive, lässt aber eine hohe Selbstbeteiligung offen. Islandspezifische Zusatzschutzpakete sind der Kiesschutz (GP) gegen Steinschlag und Scheibenschäden auf Schotterstraßen, der Sand- und Ascheschutz (SAAP) gegen vulkanischen Schmutz und im Winter ein Selbstbeteiligungsschutz. GP und SAAP sollte man nie weglassen, da Standard-CDW diese Schäden ausdrücklich ausschließt.

Wo hole ich meinen Mietwagen in Island ab?

Fast alle Reisenden holen ihren Wagen am Flughafen Keflavík (KEF) ab, rund 50 km südwestlich von Reykjavík. Hier sind die meisten Anbieter vertreten und die Auswahl am größten. Eine Abholung in der Stadt setzt eine Transferfahrt voraus und ist oft teurer — KEF ist die klare Empfehlung.

Kann ich in Island an Tankstellen mit einer ausländischen Karte zahlen?

Island hat viele unbemannte Selbstbedienungs-Tankstellen außerhalb Reykjavíks. Diese akzeptieren nur Karten mit PIN. Eine Karte, die nur per Unterschrift autorisiert wird, funktioniert nicht. Stelle vor der Reise sicher, dass deine Debit- oder Kreditkarte eine PIN hat — ohne sie bist du auf abgelegenen Strecken aufgeschmissen.

Was ist die beste Jahreszeit für einen Mietwagen in Island?

Juni bis August bieten die besten Fahrbedingungen, lange Tage und geöffnete Hochlandstraßen. Die Übergangsmonate Mai und September sind günstiger und ruhiger, aber einzelne F-Straßen können noch gesperrt sein. Im Winter ist der Ring Road grundsätzlich befahrbar, erfordert aber Erfahrung mit Eis und reduziertem Tageslicht — Winterreifen sind gesetzlich vorgeschrieben und im Preis enthalten.

Plane deine Ring-Road-Reise

Der Ring Road zählt zu den großen Selbstfahrer-Reisen der Welt, und ein Mietwagen ist der einzige Weg, ihn richtig zu erleben. Stöbere in unserem Reiseziel-Guide für Stoppempfehlungen entlang der Strecke und lies unsere weiteren Mietwagen-Guides für mehr Reiseziele.

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